Sicherungsverwahrung bei der JVA Brandenburg (SVE)

In der Einrichtung für den Vollzug der Unterbringung in der Sicherungsverwahrung bei der JVA Brandenburg (SVE) werden Männer untergebracht, wenn nach Verbüßung ihrer Freiheitsstrafe angenommen wird, dass von ihnen in Zukunft weitere schwere Straftaten zu erwarten sind.


Was ist Sicherungsverwahrung?

Die Sicherungsverwahrung ist nicht Strafe, sondern eine sog. `Maßregel´. Als solche muss sie sich gemäß Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 04.05.2011 deutlich vom Strafvollzug unterscheiden. Die Sicherungsverwahrung ist demnach so auszugestalten, dass sie einerseits freiheitsorientiert, anderseits therapiegerichtet ist. Im Brandenburger SV-Gesetz (BbgSVVollzG) wurden diese Vorgaben auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Das Gesetz gibt als Ziel des Vollzugs vor, die Gefährlichkeit der Untergebrachten so zu mindern, dass die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung möglichst bald beendet werden kann. Der Vollzug hat die Aufgabe, die Allgemeinheit vor weiteren Straftaten zu schützen.

Wie sind die Lebensbedingungen in der Sicherungsverwahrung?

Die SV-Einrichtung verfügt aktuell über eine Belegungskapazität von insgesamt 12 Plätzen. Um den gesetzlichen Vorgaben zur Sicherungsverwahrung gerecht werden zu können, wurde in der JVA Brandenburg ein Neubau für den Vollzug der Sicherungsverwahrung errichtet, der am 03.11.2014 bezogen wurde.

Jeder Sicherungsverwahrte bewohnt einen insgesamt ca. 25 m2 großen Unterbringungsbereich, der aus einem Wohn- und Schlafbereich, einem separaten Sanitärbereich und einer räumlich abgetrennten Küchenzeile besteht. Die Räume können individuell gestaltet werden, solange die Sicherheit der Einrichtung nicht gefährdet wird.

Während der Aufschlusszeiten von 6:00-21:00 Uhr können sich die Untergebrachten frei in der Einrichtung und dem Außengelände bewegen. Die Untergebrachten haben grundsätzlich die Möglichkeit, sich selbst zu verpflegen.

Wie wird mit den Untergebrachten therapeutisch gearbeitet?

Grundlegend für die therapeutische Ausrichtung der Einrichtung ist die Entwicklung eines lebensfreundlichen Milieus, das ein gemeinschaftliches Miteinander und individuelle Weiterentwicklung ermöglicht und zur Mitarbeit am Vollzugsziel motiviert.

Das Zusammenleben in der Einrichtung ist von Transparenz und Teilhabe der Untergebrachten an allen sie betreffenden Entscheidungsprozessen geprägt.

Wohngruppeninterne Themen und Probleme werden im Rahmen wöchentlicher Sitzungen verhandelt. Die Untergebrachten können und sollen hier die Bereitschaft und die Fähigkeit entwickeln, ihre Belange in sozial angemessener Form vorzutragen und Kompromisse einzugehen.

Die Überschaubarkeit der Einrichtung ermöglicht es, Veränderungsanstöße und behandlerische Prozesse in die alltägliche Lebenswelt zu integrieren, indem z. B. Problemdiskussionen und gemeinschaftliches Kochen miteinander verbunden werden. Bewährt hat sich auch die behandlerische Arbeit im Rahmen von vollzugsöffnenden Maßnahmen außerhalb der Einrichtung.

Für jeden Untergebrachten wird ein individuelles Behandlungskonzept entwickelt, das in der Regel sowohl Einzel- als auch Gruppenangebote umfasst. Dabei gehen die Behandlungsansätze auf eine Veränderung der kriminogenen Faktoren aus. Das Entdecken und Entwickeln neuer Lebensmöglichkeiten (Ressourcen) ist in diesem Zusammenhang von zentraler Bedeutung. 

Angelpunkt aller Behandlung ist das Selbstbestimmungsrecht des Untergebrachten.

 

Wer arbeitet in der Sicherungsverwahrung?

Die Untergebrachten werden durch ein multiprofessionelles Team begleitet, behandelt und – soweit erforderlich - beaufsichtigt. Diese Arbeit wird von neun Mitarbeitern aus dem Bereich des Allgemeinen Vollzugsdienstes, einer Ergotherapeutin, einer Psychologischen Psychotherapeutin und dem Leiter der Einrichtung (Psychologe) geleistet.

Wie sieht der Alltag in der Sicherungsverwahrung aus?

Einige Untergebrachte werden regelmäßig in unterschiedlichen Bereichen der JVA Brandenburg a. d. Havel zur Arbeit eingesetzt. Ebenso werden Untergebrachte in der Einrichtung selbst beschäftigt, z.B. als Hausarbeiter oder Gärtner. Wenn ein Untergebrachter nicht für einen Arbeitseinsatz geeignet ist, wird versucht, ihm eine andere Beschäftigung anzubieten, z.B. ein individuelles ergotherapeutisches Angebot oder Arbeitstherapie.   

Grundsätzlich besteht für die Untergebrachten die Möglichkeit, am Bildungs- und Freizeitangebot der Gesamtanstalt teilzuhaben. In der SV-Einrichtung selbst können die Untergebrachten in Ihrer Freizeit die hauseigene Kreativwerkstatt nutzen. Darüber hinaus stehen ein Musik-, ein Sport- und ein PC-Raum zur Verfügung, ebenso eine Mediathek. Die großzügig angelegte Außenanlage ermöglicht es den Untergebrachten, selbständig Obst und Gemüse zur Selbstverpflegung anzubauen und sich sportlich zu betätigen.

Einige Untergebrachte halten in ihrem Unterbringungsbereich Haustiere (z.B. Katze, Vögel, Fische). Als Gemeinschaftsprojekt werden im Außengelände zwei Ziegen und eine Schar Hühner gehalten, die von einem für die Tierbetreuung verantwortlichen Untergebrachten versorgt werden.

Wie wird der Kontakt nach `draußen´ gestaltet?

Untergebrachte können ihre Außenkontakte brieflich, telefonisch oder besuchsweise gestalten.

Jeder Untergebrachte verfügt über ein eigenes Telefon im Unterbringungsbereich, von dem aus er selbständig bis zu 15 genehmigte Rufnummern anrufen kann. Ebenso kann er von diesen genehmigten Rufnummern aus angerufen werden.

Der Besuch erfolgt im Besuchsgebäude der JVA. Hier stehen gesonderte Räumlichkeiten für die Sicherungsverwahrung zur Verfügung.

Aktivitäten außerhalb der SV-Einrichtung haben für die Untergebrachte besonderen Attraktivität und stellen daher im Motivationsgefüge eine wichtige Säule dar. Neben den jährlich mindestens 4 Ausführungen, die jedem Untergebrachten per Gesetz zustehen, werden daher im Ergebnis sorgfältigster Prüfung auch Gemeinschaftserlebnisse gefördert. Dazu zählt der Gemeinschaftseinkauf, bei dem mehrere Sicherungsverwahrte in einem Supermarkt einkaufen gehen. Ebenso werden erlebnispädagogische Maßnahmen angeboten. Auch Behandlungsmaßnahmen werden zum Teil im Rahmen von vollzugsöffnenden Maßnahmen durchgeführt.

Insbesondere im Rahmen der Entlassungsvorbereitung kommen vollzugsöffnenden Maßnahmen besondere Bedeutung zu.