Hier finden Sie aktuelle Informationen, Antworten zu den wichtigsten Fragen und die Kontaktdaten wichtiger Ansprechpartner/-innen zur

Geflügelpest ("Vogelgrippe")

Falls eine Tierseuche ausbricht, oder ein erhöhtes Risiko eines Ausbruchs besteht, werden Sie hier über das aktuelle Seuchengeschehen informiert.


Informationen zum aktuellen Geschehen (Stand 29.05.2017)


Link zum TierSeuchenInformationsSystem des Bundes.

Tierseuchen sind Krankheiten die, neben einer hohen Infektionswahrscheinlichkeit und oftmals schwerem Krankheitsverlauf, durch Verursachung hoher wirtschaftlicher Schäden aufgrund von Tierverlusten oder Wertminderung tierischer Produkte charakterisiert sind.

Link zur Tierseuchenkasse Brandenburg


Risikoeinschätzung

Aufgrund der aktuellen Verbreitung von HPAIV H5N8 bei Wildvögeln in Europa und in derzeit 13 betroffenen Bundesländern Deutschlands ist von einem hohen Eintragsrisiko in Nutzgeflügelbestände durch direkte und indirekte Kontakte zwischen Wildvögeln und Nutzgeflügel auszugehen, insbesondere bei Haltungen in der Nähe von Wasservogelrast- und Wildvogelsammelplätzen, einschließlich Ackerflächen, auf denen sich Wildvögel sammeln.

Oberste Priorität hat der Schutz der Nutzgeflügelbestände vor einer Infektion mit HPAIV H5N8. Hierbei steht die Errichtung einer physikalischen und funktionellen Barriere zwischen den Habitaten von Wildvögeln und den Geflügelhaltungen im Vordergrund. Die Aufstallung von Geflügel und weitere Biosicherheitsmaßnahmen minimieren das Risiko eines direkten und indirekten Kontakts mit infizierten Wildvögeln. Berücksichtigt werden müssen vor allem auch indirekte Eintragungswege, beispielsweise über durch Wildvögel verunreinigtes Futter, Wasser oder verunreinigte Einstreu und Gegenstände (Schuhwerk, Schubkarren, Fahrzeuge usw.) sind zu unterbinden und geeignete Desinfektionsmaßnahmen vorzusehen. Die Überprüfung, Optimierung und konsequente Umsetzung der Biosicherheitsmaßnahmen ist von höchster Bedeutung. Zu Einhaltung von Grundregeln der Biosicherheit sind Geflügelhalter gesetzlich verpflichtet. 

Empfehlungen:

  • Umsetzung strenger Biosicherheitsmaßnahmen in allen Geflügel haltenden Betrieben, auch Kleinstbetrieben, einschließlich Schuh- und Kleidungswechsel, Desinfektionsmaßnahmen 
  • Risikobasierte Einschränkung der Freilandhaltung (Aufstallung) von Geflügel (mindestens in Regionen mit hoher Wildvogeldichte, hoher Geflügeldichte, in der Nähe von Wildvogelrast- und Wildvogelsammelplätzen oder an bestehenden HPAIV H5N8 Fundorten)
  • Aufstallung von Zoovögeln soweit möglich, Zugangsbeschränkungen zu Vogelhäusern/Vogelschauen
  • Keine Kontaktmöglichkeit von Geflügel in Freilandhaltungen mit natürlichen Gewässern
  • Verstärkte Untersuchung von Geflügelhaltungen; bei Hühnervögeln vermehrt klinische Untersuchung, bei Gänsen und Enten PCR-Untersuchungen von kombinierten Rachen- und Kloakenproben gemäß den gesetzlichen Vorschriften
  • Geflügelbestände, denen Ausnahmen vom Aufstallungsgebot genehmigt wurden, sollten maximal im Abstand von 3 Wochen klinisch und virologisch untersucht werden
  • Geflügel-Ausstellungen sollten unterbleiben; dies gilt auch für Taubenausstellungen (wenngleich Tauben bisher von Infektionen mit H5N8 nicht betroffen waren)
  • Meldung verendeter oder kranker Wildvögel an die zuständige Veterinärbehörde
  • Verstärkte Untersuchung insbesondere von verendeten oder am Wasser lebenden Wildvögeln auf aviäre Influenzaviren (passives und aktives Wildvogelmonitoring, letzteres insbesondere über Kotproben aus der Umwelt)
  • Kein Kontakt von Jägern, die mit Federwild in Berührung gekommen sind, zu Geflügel, ggf. Jagdverbot auf Federwild 
  • Vermeidung des direkten Kontakts von Personen und Haustieren zu toten oder kranken Wildvögeln
  • Überprüfung der Durchführbarkeit der in den Krisenplänen für den Seuchenfall vorgesehenen Maßnahmen und Aktualisierung der Pläne, soweit erforderlich

(Quelle: Friedrich-Löffler-Institut, Stand 24.01.2017)


Fragen und Antworten zur Vogelgrippe
Was versteht man unter Geflügelpest und „Vogelgrippe“?

Die Klassische Geflügelpest ist eine besonders schwer verlaufende Form der aviären Influenza, die durch hochpathogene (stark krankmachende) Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 verursacht wird.

Geringpathogene Influenzaviren der Subtypen H5 und H7 können zu einer hochpathogenen Form mutieren, die sich dann klinisch als Geflügelpest zeigt. Infektionen mit anderen Subtypen bleiben auch beim Hausgeflügel meist ohne gravierende klinische Auswirkungen. Als „Vogelgrippe“ werden in der Öffentlichkeit seit dem Auftreten von hochpathogenem H5N1 Virus aus
Asien Infektionen von Nutzgeflügel mit aviären Influenzaviren bezeichnet.

Aviäre Influenzaviren gehören zur Gruppe der Influenza A-Viren. Sie verfügen über zwei Oberflächenproteine, das Hämagglutinin-(H) und die Neuraminidase-(N), die für die Wechselwirkung mit Zellen und somit für deren Infektion bedeutsam sind. Diese Proteine können in unterschiedlichen Varianten (Subtypen) vorkommen. Bei aviären Influenzaviren sind 16 Subtypen des Hämagglutinins (H1-16) und neun Subtypen der Neuraminidase (N1-N9) beschrieben. Nach der Struktur von H und N werden die Subtypen des Virus bezeichnet, wie H5N1, H5N8, H7N3 oder H7N7. Beide Oberflächenproteine unterliegen fortdauernden Veränderungen. Dabei entstehende neue Varianten, die die Wirtsabwehr unterlaufen können, gelegentlich auch neue Wirte infizieren und damit ihre Verbreitung sichern.

Was ist das Gefährdungspotential für Mensch und Tier?

Infektionen des Menschen mit HPAI H5N8 Viren wurden bislang weltweit nicht nachgewiesen; dennoch kann eine Empfänglichkeit des Menschen gegenwärtig nicht völlig ausgeschlossen werden. Daher sind wie bei allen HPAIV erhöhte Schutzmaßnahmen beim Umgang mit potenziell infiziertem Geflügel und Wildvögeln einzuhalten.

Hochpathogenes aviäres Influenzavirus vom Typ H5N8 (HPAI H5N8) wurde erstmals Anfang 2014 in Südkorea nachgewiesen, wo bis September etwa 30 Ausbrüche der Tierseuche beobachtet wurden. Etwa 12 Millionen Stück Geflügel mussten im Rahmen der Ausbrüche getötet werden. Aus China und Japan wurden vereinzelte Ausbrüche gemeldet. Wildvögel, insbesondere Wildenten, die mit dem H5N8-Virus infiziert waren, wurden in Südkorea im
Zuge der Ausbrüche gefunden. Japanische Wissenschaftler berichteten über einen Fall bei einem Pfeifschwan in ihrem Land (das waren Kotproben von
Berwick’s Schwänen). Wildvögel scheinen aber weniger schwer zu erkranken, auch ‚stille‘ Infektionen ohne Krankheitssymptome wurden beschrieben. In Europa trat das Virus bisher in Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien bei Mastputen, Legehennen und Mastenten auf.

Was sind die Übertragungswege?

Eindeutige Einschleppungswege für HPAI H5N8 konnten in Europa bisher nicht festgestellt werden. Für die Übertragung von aviären Influenzaviren in Nutzgeflügel kommt eine Reihe von Faktoren in Frage. Unter anderem werden die Einstallung von Tieren, Personen- und Fahrzeugverkehr, Waren, Futter und Wasser bei der Analyse der Einschleppungsursachen ebenso in die Betrachtung einbezogen wie der mögliche Eintrag über Wildvögel.

Wie hoch ist das Einschleppungsrisiko?

Eine Verbreitung des Virus durch Zugvögel ist möglich und konnte für die frühen Phasen der Ausbrüche in Südkorea belegt werden. Bisher ist allerdings wenig über die Infektion mit dem H5N8-Virus bei Wildvögeln bekannt. Erste Untersuchungsergebnisse von Stockenten deuten an, dass diese nach einer Infektion mit dem Virus nicht schwer erkranken, es aber vermehren und weiter verbreiten können. Hierzu werden Forschungsarbeiten durchgeführt.

Wie weit infizierte Wildvögel fliegen können, ist nicht genau bekannt. Es ist aber auch nicht erforderlich, dass ein infizierter Vogel über lange Strecken fliegt. Entscheidend ist, dass sich Infektionsketten aufbauen, über die das Virus weitergegeben wird. So ist eine schrittweise Ausbreitung des Erregers aus Asien durch die Überlappung der Brutgebiete und Zugrouten vorstellbar.

Welche Maßnahmen der Bekämpfung werden im Land im Falle eines Ausbruchs durchgeführt?

Für die Bekämpfung der Geflügelpest gelten EU-weite und nationale Vorschriften. Grundsätzlich wird das Geflügel in infizierten (Nutztier-)Beständen getötet und unschädlich beseitigt. Zudem richten die zuständigen Behörden Schutz- bzw. Überwachungszonen ein. Die genauen Maßnahmen finden Sie in der Geflügelpest-Verordnung.

Was kann ich als Verbraucher/-in tun, um mich zu schützen und zu helfen?

Menschen sollten den Kontakt mit wildlebenden Vögeln meiden. Dies gilt besonders für verendete Tiere und in Gegenden in denen das H5N8-Virus bei verendeten Wildvögeln nachgewiesen wurde (Sperrbezirke, Beobachtungsbezirke). Dies ist in Brandenburg bisher nicht der Fall.

Wer tote Vögel findet, sollte sich an das zuständige Veterinäramt wenden.  Außerdem sollten Spaziergänger, die tote Vögel finden, diese nicht berühren. Hunde sollten in betroffenen Gebieten nahe dem Wasser an der Leine geführt werden.

Grundsätzlich kann eine Übertragung des Erregers über infizierte Lebensmittel nicht ausgeschlossen werden. Zum heutigen Zeitpunkt scheint der direkte Kontakt mit infiziertem Geflügel aber der hauptsächliche Infektionsweg zwischen Geflügel und Mensch zu sein. Da das Virus ausgesprochen empfindlich gegenüber hohen Temperaturen ist, gelten gut durcherhitzte Lebensmittel als unbedenklich. Gut durcherhitzt ist Fleisch, wenn eine Kerntemperatur von mindestens 70 °C bei der Erhitzung erreicht wird. Das ist für den Verbraucher daran erkenntlich, dass das Fleisch keine rote bzw. rosa Farbe mehr hat und kein roter Fleischsaft austritt.

Für die Möglichkeit einer Infektion des Menschen durch rohe Eier oder Rohwursterzeugnisse mit Geflügelfleischanteil von infizierten Tieren gibt es keine Belege. Allerdings ist erwiesen, dass Eier infizierter Tiere das Virus sowohl auf der Schale als auch in Eiweiß und Eidotter enthalten können. Deswegen sollten Verbraucher in Ländern, in denen die Vogelgrippe in
Nutzgeflügelbeständen aufgetreten ist, vorsorglich auf den Verzehr roher Eiprodukte (Eischnee, Tiramisu etc.) verzichten. Bei gekochten Eiern sollte darauf geachtet werden, dass sowohl Eiweiß als auch Eigelb fest sind.

Konkret:

  • rohe Geflügelprodukte und andere Lebensmittel getrennt lagern und zubereiten, insbesondere wenn Letztere nicht noch einmal erhitzt werden
  • Gerätschaften und Oberflächen, die mit rohen Geflügelprodukten in Berührung gekommen sind, gründlich mit warmem Wasser und Spülmittelzusatz reinigen
  • Verpackungsmaterialien, Auftauwasser u.ä. sofort entsorgen
  • Hände mit warmem Wasser und Seife waschen
  • Geflügelspeisen gründlich durchgaren. Das bedeutet, dass mindestens eine Kerntemperatur von 70 °C erreicht werden muss.
  • Eier sollten vor dem Verzehr gekocht werden bis Eiweiß und Eigelb fest sind, d.h. je nach Größe für mindestens 6 Minuten
Was kann ich als Tierhalter/-in tun, um mich zu schützen und zu helfen?

Tierhalterinnen und Tierhalter können mit dazu beitragen, die Gefahr der Ausbreitung zu verringern. Dazu sollten wirksame Vorkehrungen und Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Geflügel und Vögel möglichst nicht im Freien zu füttern
  • Hausgeflügel sollte keinen Kontakt zu wilden Wasservögeln haben
  • Hühner und Puten sollten nicht mit Wassergeflügel zusammen gehalten werden

Bitte beachten Sie auch die aktuelle Verordnung des Bundes über besondere Schutzmaßregeln in kleinen Geflügelhaltungen.

Wo finde ich mehr Informationen?

Detaillierte Informationen zur aktuellen Lage finden Sie im TierSeuchenInformationsSystem - TSIS

Risikobewertungen und Informationen zum Tierseuchengeschehen in anderen Bundesländern finden Sie auf den nachfolgenden Seiten

Friedrich-Löffler-Institut

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Robert Koch Institut

Verbraucherinformationen gibt das Bundesinstitut für Risikobewertung

Vor Ort dienen die Veterinärämter als Ansprechpartner