Kernkraftwerk Rheinsberg

Abbau
Entsorgung
Reststoffe
Freimessverfahren


Kernkraftwerk Rheinsberg wird weiter abgebaut

Das Kernkraftwerk Rheinsberg (KKR) wurde von 1966 bis 1990 mit einer elektrischen Nennleistung von 70 MW betrieben. Es ist seit dem 1. Juni 1990 abgeschaltet und wird derzeit zurückgebaut. Die vorläufige Planung geht von einem Rückbau bis 2025 aus.

Im April 1995 genehmigte das damalige Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg als zuständige oberste Landesbehörde die Stilllegung und den Teilabbau des KKR. In dem im Rahmen des Genehmigungsverfahrens erstellten Sicherheitsbericht konnte der Nachweis, dass die Stilllegungs- und Rückbauarbeiten keine schädigenden Auswirkungen auf Mensch und Umwelt haben, positiv bewertet werden. Insbesondere das Stilllegungskonzept, dass den kontinuierlichen Abbau der Anlage vorsieht, wurde geprüft und durch die atomrechtliche Genehmigungsbehörde mit dem Genehmigungsbescheid bestätigt.

Die Betreibergesellschaft Energiewerke Nord GmbH (EWN) führt Stilllegungs- und Rückbauarbeiten überwiegend mit eigenem Personal (derzeit etwa 140 Arbeitskräfte) durch. Für die Stilllegung und den Rückbau des KKR sind bislang Kosten in einer Höhe von ca. 400 Mio. EUR veranschlagt. Der gesamte Rückbauprozess wird durch das Ministerium der Justiz und für Europa und Verbraucherschutz (MdJEV) als oberste Aufsichts- und Genehmigungsbehörde und das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) atom- und strahlenschutzrechtlich kontrolliert und beaufsichtigt. Der Abbau des Kernkraftwerkes erfolgt in mehreren Rückbauetappen, die jeweils auf der Basis einer separaten atomrechtlichen Genehmigung realisiert werden. Die Demontagen der Hauptkomponenten und Hilfssysteme des Primärkühlkreislaufes, der Anlagen im Maschinenhaus sowie der Ausrüstungen der Speziellen Wasseraufbereitung sind bis auf einzelne Restsysteme abgeschlossen.

Da die EWN ein bundeseigenes Unternehmen ist, werden diese Kosten von der öffentlichen Hand getragen.

Am 9. Mai 2001 - auf den Tag genau 35 Jahre nach der Erstinbetriebnahme des KKR - wurde der letzte noch am Standort vorhandene Kernbrennstoff, eingelagert in 4 Castor-Behältern, aus dem KKR in das Zwischenlager Nord (ZLN) am Standort des KKW Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) gebracht. Somit ist kein Kernbrennstoff mehr am Standort des KKR vorhanden. Der Reaktordruckbehälter ist im unzerlegten Zustand zur Abklinglagerung in das Zwischenlager Nord verbracht worden.

Der Abbau des Lagers für feste Abfälle ist beendet. Die Arbeiten zur fernbedienten Zerlegung von aktivierten und kontaminierten Komponenten des Reaktors in der eigens hierzu errichteten Nasszerlegestation im ehemaligen innerbetrieblichen Brennelementelagerbecken 1 (Abklingbecken 1) sind ebenfalls abgeschlossen und die Ausrüstungen der Nasszerlegestation sind demontiert und entsorgt.

Gegenwärtig erfolgen der Abbau des Lagers für flüssige radioaktive Abfälle, das Entkernen der Räume im Reaktorgebäude und der Speziellen Wasseraufbereitung, sowie Arbeiten zum Rückbau der Heißen Zelle.

Die beim Rückbau und Restbetrieb des KKR anfallenden radioaktiven Reststoffe werden hinsichtlich ihrer Freimessbarkeit überprüft und im Rahmen eines Freimessverfahrens ggf. frei gemessen oder zur Zwischenlagerung in das ZLN transportiert.

Im Rahmen der anlagenbezogenen Überwachung des KKR erfolgen die Überwachung der Emission radioaktiver Stoffe aus der Anlage und die Immissionsüberwachung in deren Umgebung sowohl durch den Betreiber als auch durch das LAVG. Als unabhängige Messstelle führt die Landesmessstelle Oranienburg des Fachbereiches Strahlenschutz/Luft im Landeslabor Berlin-Brandenburg (LLBB) Kontrollmessungen durch. Die Landesmessstelle überprüft die durch das Kernkraftwerk vorgelegten Messwerte zur Emission und Immission radioaktiver Stoffe. Darüber hinaus werden eigene Messungen durchgeführt und Proben aus der Umgebung des Kernkraftwerkes untersucht. Die Ergebnisse können in Quartals- und Jahresberichten, die bei den o. g. Behörden vorliegen bzw. über Links ausgehend von dieser Seite eingesehen werden.

Kernkraftwerk Rheinsberg/ Entsorgung der radioaktiven Reststoffe

Beim Rückbau des KKR fallen neben dem Kernbrennstoff etwa 341.000 Mg Reststoffe an, die im Einklang mit den bestehenden atomrechtlichen und abfallrechtlichen Gesetzen und Bestimmungen entsorgt werden.

Der größte Teil dieser radioaktiven Stoffe sowie beweglichen Gegenstände, Gebäude, Bodenflächen, Anlagen oder Anlagenteile kann in den allgemeinen Stoffkreislauf zurückgeführt werden. Voraussetzung hierfür ist die Freigabe nach § 29 StrlSchV und der Nachweis der Einhaltung der im behördlichen Freigabebescheid festgelegten Freigabewerte. Dazu müssen alle freizugebenden Materialien, Gebäude und Bodenflächen ein, in der betrieblichen Freimessordnung, festgeschriebenes Freimessverfahren durchlaufen. Dieses schließt mit der behördlichen Bestätigung der Übereinstimmung mit den Anforderungen des Freigabebescheides nach § 29 Abs. 3 StrlSchV ab. Im Ergebnis sind die radioaktiven Stoffe sowie beweglichen Gegenstände, Gebäude, Bodenflächen, Anlagen oder Anlagenteile als nichtradioaktive Stoffe aus der atomrechtlichen Bindung entlassen und können verwendet, verwertet, beseitigt oder an Dritte weitergegeben werden.

Das im KKR auf Grund seiner Geometrie oder der erforderlichen Behandlungen nicht freimessbare Material wird zum ZLN transportiert. Das ZLN befindet sich am Standort des Kernkraftwerkes Greifswald der Energiewerke Nord GmbH. Es dient beiden Kraftwerken als Zwischenlager sowie als Konditionierungsstation. Dort wird das Material mit dem Ziel der anschließenden Freimessung bearbeitet. Die danach auf Grund ihrer Aktivität nicht freimessbaren Stoffe werden als radioaktiver Abfall zum Abklingen oder bis zu ihrer späteren Ablieferung an ein Bundesendlager zwischengelagert.

Reststoffe

Entsorgung Reststoffe

Freimessverfahren

Freimessverfahren KKW